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Eine Kurzgeschichte aus 'der Welt eines Schuhs'

eine Kurzgeschichte von Eva

Die heftige Last, die ich trage, zerquetscht mich langsam, drückt mich unbarmherzig nieder und presst mich ununterbrochen in den Boden. Zwischen den Schritten werde ich emporgehoben, ich atme, aber nur, um dann mit noch größerer Wucht wieder zu Boden geworfen zu werden. Gibt es kein Ende meines Leidens?

Je länger wir gehen, desto stärker wird der Geruch. Zuerst nur leicht, dann jedoch erstickend bedrückend. Wenn meine Arbeit fertig ist, verweilt der Geruch, er verblasst langsam, verschwindet aber nie ganz. Der Geruch meines Besitzers verdrängt meinen natürlichen Duft.

Mein Körper wird sorgfältig geprägt, um sich perfekt an die Wölbung des Fußes meines Besitzers anzupassen. Sie drücken ihre Haltung in mich ein.

Trotzdem bin ich weit gereist und habe viele verschiedene Orte erkundet, aber nie allein, sondern immer mit dieser schweren Last. Ich bin schon bei jedem Wetter über schmutzige Straßen gelaufen, aber noch nie über einen weichen, sauberen Teppich. Oft höre ich: „Das ist das beste Paar Schuhe, das ich je gekauft habe. Sie sind so elastisch und stützend.“ Doch ich kann nicht anders, als dabei an den Preis zu denken.

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